Abendmusiken in der Predigerkirche
9. November 2014
   
     
     
Heinrich Schütz    
     

Michael Praetorius
1571 - 1621
Der 116 Psalm

Aus: Angst der Hellen / und Friede der Seelen / Das ist: Der CXVI. Psalm Davids / durch etzliche vornehme Musicos im Chur und Fürstenthumb Sachsen / sehr künstlich und anmuhtig auff den Text gerichtet / Mit V. IIII. und III. Stimmen componiret ... auß bestendiger Ehre und Liebe zur Music zum Druck verlegt / durch Burckhard Großman / Fürstl: Sächs: Amptschössern zu Jehna und Burgaw. Gedruckt zu Jehna ... 1623. 

Erster Theil

Das ist mir lieb / daß der Herr meine Stimme und mein Flehen höret.
Das er sein Ohre zu mir neiget. Darum wil ich mein lebenlang jhn anrufen.
Strikke des Todes hatten mich umfangen / und Angst der Hellen hatten mich troffen / Jch kam in Jamer und Not.
Aber ich rieff an den Namen des Herren / O Herr errette meine Seele.
Der Herr ist gnedig und gerecht / und unser Gott ist barmhertzig.
Der Herr behütet die Einfeltigen. Wenn ich unterlige / so hilfft er mir.
Sei nu wider zufrieden meine Seele / denn der Herr thut dir guts.
Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen / Mein Auge von den Threnen / meinen Fus vom Gleitten. Jch wil wandeln für dem Herrn / im Lande der Lebendigen.

Der andere Theil

Jch gleube / darumb rede ich / ich werde aber sehr geplaget.
Jch sprach in meinem Zagen / Alle Menschen sind Lügner.
Wie sol ich dem Herren vergelten / Alle seine Wohltat / die er mir tut?
Jch wil den heilsamen Kelch nemen / und des Herrn Namen predigen.
Jch wil meine Gelübde dem Herren bezahlen / für all seinem Volck.

Der dritte Theil

Der Tod seiner Heiligen ist werd gehalten / für dem Herren.
O Herr ich bin dein Knecht / ich bin dein Knecht / deiner Magd Son / Du hast meine Bande zurissen.
Dir wil ich Danck opffern / und des Herrn Namen predigen.
Jch wil meine Gelübde dem Herrn bezalen / für alle seinem Volck.
Jn den Höfen am Hause des Herrn / Jn dir Jerusalem / Haleluja.

 

Johann Hermann Schein
1586-1630
Padouana
Banchetto musicale, No. 20

Banchetto Musicale / Newer anmutiger Padouanen, Gagliarden, Courenten vnd Allemanden à 5. auff allerley Jnstrumenten / bevoraus auff Violen, nicht ohne sonderbahre gratia, lieblich und lustig zugebrauchen. Mit fleiß Componiret und gesetzt Durch Iohan-Hermanum Schein / Grünh. dieser zeit bestalten Cantorem und Musicum zu Leipzig. ... Leipzig, 1617 

 

Musicalische Exequien
Erster Teil, SWV 279
Nakket bin ich von Mutterleibe kommen

Musicalische Exequien / Wie solche bey herrlicher und hochansehnlicher Leichenbestattung / Deß weylandt Hochwolgebornen Herrn / Herrn Heinrichen deß Jüngern und Eltisten Reußen / Herrn von Plauen / Röm. Kays. Majt. gewesenen Rahts ... Jüngsthin den 4 Monatstag Februarii zu Gera / vor und nach der Leichenpredigt gehalten / und ... in eine stille verdackte Orgel angestellet und abgesungen worden / Mit 6. 8. und mehr Stimmen zugebrauchen / auch / Mit beygefügtem zwiefachen Bass Continuo dem einen vor die Orgel / dem andern vor den Dirigenten oder vor den Violon ... Zu unterthänigem letzten Ehren Bedächtnüs auff behehren in die Music versetzet ... durch Heinrich Schützen Churf. Sächs. CapellMeistern. ... Dresden 1636

Text: Bibelverse und Kirchenlieder, zusammengestellt von Heinrich Posthumus Reuß.

Concert à 6 in form einer teutschen Missa.

Nacket bin ich vom Mutterleibe kommen. Nacket werde ich widerumb dahin fahren. Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herren sey gelobet!
Herr Gott Vater im Himmel, erbarm dich über uns!

Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn.

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!
Jesu Christe, Gottes Sohn, erbarm dich über uns!

Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herren.
Herr Gott heiliger Geist, erbarm dich über uns!

Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab. Auf daß alle, die an ihn gläuben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Er sprach zu seinem lieben Sohn:
die Zeit ist hie zu erbarmen,
fahr hin, meins Herzen werthe Cron,
und sey das Heil der Armen,
und hilf ihn aus der Sünden Noth,
erwürg vor sie den bittern Todt,
und laß sie mit dir leben.

Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, machet uns rein von allen Sünden.
Durch Ihn ist uns vergeben
die Sünd, geschenkt das Leben.
Im Himmel solln wir haben,
O Gott, wie große Gaben!

Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes, Jesu Christi, des Herren, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe.
Es ist allhier ein Jammertahl,
Angst Noht und Trübsal überal,
des bleibens ist ein kleine zeit,
voller Mühseligkeit,
und wers bedenckt ist immer im Streit.

Wenn eure Sünde gleich blutroht wären, soll sie doch schneeweiß werden, wann sie gleich ist wie rosinfarb, sol sie doch wie Wolle werden.
Sein Wort, sein Tauff, sein Nachtmahl
dient wieder allen Unfahl,
der Heilge Geist im Glauben
lehrt uns darauff vertrauen.

Gehe hin mein Volk, in eine Kammer, und schleuß die Thür nach dir zu, verbirge dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe.

Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an: für den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihr Hinfahren für Verderben, aber sie sind in Frieden.

Herr, wenn ich nur dich habe , so frage ich nichts nach Himmel und Erden. Wann mir gleich Leib und Seele verschmacht, so bistu Gott allzeit meines Hertzen Trost und mein Teihl.
Er ist das Heil und selig Licht
für die Heiden,
zu erleuchten, die dich kennen nicht
und zu weiden.
Er ist seines Volks Israel
der Preiß, Ehr, Freud und Wonne.

Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn's hoch kömmt, so sinds achtzig Jahr, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Müh und Arbeit gewesen.
Ach, wie elend ist unser Zeit
allhier auf dieser Erden,
gar bald der Mensch darnieder leit,
wir müssen alle sterben.
Allhier in diesem Jammerthal
ist Müh und Arbeit überal,
auch wenn dirs wol gelinget.

Ich weiß daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken, und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen.
Weil du vom Tod erstanden bist,
werd ich im Grab nicht bleiben,
mein höchster Trost dein Auffart ist,
Todsfurcht kanstu vertreiben,
denn wo du bist, da komm ich hin,
daß ich stets bey dir leb und bin,
drumb fahr ich hin mit Freuden.

Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich dann.
Er sprach zu mir: halt dich an mich,
es soll dir itzt gelingen,
ich geb mich selber gantz vor dich,
da will ich für dich ringen.
Der Todt verschlingt das Leben mein,
mein Unschuld trägt die Sünde dein,
da bistu Selig worden.

 

Johann Hermann Schein
Padouana
Banchetto musicale, No. 6

 

Musicalische Exequien
Zweiter Teil, SWV 280
Herr, wenn ich nur dich habe

Text: Psalm 73, 25-26

Herr, wenn ich nur dich habe so frage ich nichts nach Himmel und Erden.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht so bist du doch, Gott, allezeit meines Hertzen Trost und mein Teihl.

 

SWV 390
Unser Wandel ist im Himmel

Aus: Musicalia ad Chorum Sacrum. Das ist: Geistliche Chor-Music ...
Dresden 1648
Ausführung Instrumental

 

Musicalische Exequien
Dritter Teil, SWV 281
Herr, nun lässest du deinen Diener in Friede fahren /
Selig sind die Toten

Text: Lukas 2, 29-32; Offenbarung 14, 13; Weisheit Salomos 3, 1

Herr, nun lässestu deinen Diener in Friede fahren, wie du gesagt hast.
Denn meine Augen haben deinen Heyland gesehen, welchen du bereitet hast für allen Völckern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volcks Israel.

Selig sind die Todten, die in dem Herren sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach. Sie sind in der Hand des Herren, und keine Qual rühret sie. Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben.

 

SWV 217
Wohl denen, die da leben

Aus: Psalmen Davids / Hiebevor in deutsche Reime gebracht / durch D. Cornelium Beckern / und nachmals ... von dem Churf. S. Capellmeister Heinrich Schützen in den Druck gegeben / jetzund aber / auf des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrns / Herrn Johann Georgens des Andern / Churfürstens zu Sachsen ... Anordnung / Auffs neue übersehen ... nach gemeiner Contrapuncts-Ahrt mit 4. Stimmen gestellet /durch obgemelten Autorem H. S. Der Zeit Churf. S. ältern Capellmeistern ... Dresden 1661

Wohl denen, die da leben
Für Gott in Heiligkeit,
Im Gsetz des Herren eben
Wandeln zu jeder Zeit,
Die recht von Herzen suchen Gott
Und seine Zeugnis halten,
Sind stets bei ihm in Gnad.

Denn alle, die da wandeln
Richtig des Herren Bahn,
Die nehmen für kein Handel,
Der übel wär getan,
Du hast geboten uns mit Fleiß,
Deine Befehl zu halten
Und keine andreweis.

O daß in meinem Leben
Dein Recht ich halten künnt
Und mich drauf möchte geben
Aus meines Herzen Grund,
Ich werd zu Schand in keiner Not,
Wenn ich mit Fleiß nur schaue
Allein auf dein Gebot.

Von Herzengrund ich spreche:
Dir sei Dank allezeit,
Weil du mich lehrst die Rechte
Deiner Gerechtigkeit,
Der Gnaden mich auch fort gewähr,
Ich will dein Rechte halten,
Verlaß mich nimmermehr.

 

Der 119. Psalm: 4. Dsaïn und Chet
SWV 485
Gedenke deinem Knechte an dein Wort

Aus: Königs und Propheten Davids Hundert und Neunzehender Psalm / in Eilf Stükken / Nebenst dem Anhange des 100. Psalms: Jauchzet dem Herrn! Und Eines deutschen Magnificats: Meine Seele erhöbt den Herrn. Mit acht Stimmen / auf zweien Köhren über die gewöhnlichen Kirchen-Intonationen componieret / und zur Churfl. Sächs. Hoff-Capella / zum Loobe Gottes / verehret von Heinrich Schüzen / Churfl. Sächs. ältesten Capell-Meistern. Dresden 1671. 
Text: Psalm 119, Vs. 49-64

Gedenke deinem Knechte an dein Wort / Auff welches du mich lessest hoffen.
Das ist mein Trost in meinem Elende / Denn dein Wort erquicket mich.
Die Stoltzen haben iren Spott an mir / Dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetze.
Herr / wenn ich gedenke / wie du von der Welt her gerichtet hast / So werde ich getröstet.
Jch bin entbrant uber die Gottlosen / die dein Gesetz verlassen.
Deine Rechte sind mein Lied / in meinem Hause.
Herr ich gedenke des nachts an deinen Namen / und halte dein Gesetz.
Das ist mein Schatz / Das ich deine Befehle halte.
Jch habe gesagt / Herr das sol mein Erbe sein / Das ich deine Wege halte.
Jch flehe vor deinem Angesichte / von gantzem hertzen / Sey mir gnedig nach deinem Worte!
Jch betrachte meine wege / und kere meine füsse zu deinen Zeugnissen.
Jch eile vnd seume mich nicht / zu halten deine Gebot.
Der Gottlosen rotte beraubet mich / Aber ich vergesse deines Gesetzes nicht.
Zur mitternacht stehe ich auff / dir zu dancken / fur die Rechte deiner gerechtigkeit.
Jch halte mich zu denen / die dich fürchten / Vnd deine Gebote halten.
Herr / die Erde ist vol deiner Güte / lere mich deine Rechte!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und auch dem Heiligen Geiste.
Wie es war im Anfang / jetzt und immerdar / von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.