"Johann Vierdanck, ein zu seiner Zeit weit=berühmter Compositeur, war Organist an der S. Marien=Kirchen in Strahlsund. Man hat von ihm, ausser den 1641. zu Greifswald, und 1643. zu Rostock, auf eigenem Verlag, gedruckten beiden Theilen geistlicher Concerten, in folio, ein in Partitur sauber=geschriebenes Werck, welches aus 20. Stücken bestehet, als Concerten, Mißen, Magnificat, Dialogis, wie auch unterschiedlichen Choral=Liedern. Von diesen letzten sind einige nur mit 8. Singstimmen und der Orgel, nach rechter Motetenmanier; andre aber mit beigefügten Instrumenten allerhand Art, wobey jeder Vers, im künstlichen Contrapunct, absonderlich durchgearbeitet worden. Unsere Vorfahren, ob sie gleich den heutigen angenehmen Künstlern in verschiedenen Stücken nicht beikommen, sind doch billig zu rühmen und zu ehren, daß sie solchen eifrigen und ermüdeten Fleiß erwiesen, auch die Bestellung der Singchöre mit allem Ernst, und besser, als die itzigen Regenten thun, sich haben angelegen seyn lassen. Man siehet es wohl, daß ihr Geist edel und ordentlich gewesen; obwohl nicht so schmeichelnd und geputzt, als der heutige. Die Schreibart unsers Vierdancks, dem billig ein Platz unter den damahls=berühmtesten Kirchen=Componisten gebühret, war meist ernsthafft und beweglich, auch, nach seiner Art, oratorisch. Es ist gar keine Schande, die alten Auctores aufzusuchen, sie durchzusehen, und ihr Andencken bestmöglichst beizubehalten. Wir werden auch alt, und wünschen doch, ein jeder für sich, mit jenem Kaiser: Vivus placere cupio, mortuus laudari. Der im Leben wohlgefällt, und im Tode Lob erhält, ist der beste Mann der Welt. Es werden genug nach uns kommen, die unsere Arbeit verachten, wenn wir ihnen mit solchen Exempeln vorgehen. ..." |